Film: “Angst isst Seele auf”

Mulu, ein farbiger Schauspieler, ist mit dem Zug unterwegs zu einem abendlichen Auftritt im Theater. Im Bahnhof der Kleinstadt angekommen, wird er von einer Gruppe rechtsradikaler Jugendlicher angepöbelt und nach einer kurzen verbalen Auseinandersetzung auch angegriffen und zu Boden geschlagen. Die umstehenden Passanten schauen unbeteiligt zu. Schließlich taucht die Polizei auf und geht dazwischen. Noch immer wütend und innerlich aufgebracht, weist Mulu eine ärztliche Behandlung seiner Verletzung schroff zurück. Er will unter allen Umständen noch rechtzeitig ins Theater kommen, um die Aufführung des Stückes nicht platzen zu lassen. So schafft er es gerade noch, rechtzeitig zu seinem ersten Einsatz auf der Bühne zu stehen. Nach dem anfänglichem Erschrecken seiner Schauspielerkollegin Emmi über seine blutende Verletzung spielen die beiden mit großer Intensität jene Szene, in der sich die dreißig Jahre ältere Frau in den marokkanischen Gastarbeiter verliebt.

Vom Regisseur überschwänglich gelobt, sitzt Mulu nach der Vorstellung wieder im Zug. Dieser hat ihm die Rolle des Othello angeboten, was Mulu zwar freut, ihn aber gleichzeitig auch wütend macht – ist dies doch die Parade- aber eben auch Alibi-Rolle für schwarze Schauspieler an deutschen Theatern.

Nachdenklich streut Mulu seinen Premieren-Blumenstrauß aus dem Zugfenster.

Erzählt wird der Film aus der konsequent subjektiven Perspektive Mulus, den man deshalb nie zu Gesicht bekommt; nur seine Hände sind zu sehen.

Der Kurzspielfilm ist eine Hommage an Rainer Werner Fassbinders „Angst essen Seele auf“ (1972). Er beruht auf einer authentischen Geschichte. Wie in Fassbinders Film spielt auch hier Brigitte Mira die Emmi und mit Jürgen Jürges konnte der Kameramann gewonnen werden, der auch den Fassbinder-Film fotografiert hat.